Seelenproviant für Kinder
Vergangenen Sonntag hat der "SpielLernRaum" in Dornbirn zum Tag der offenen Türe geladen. Monika Schwärzler und Ruth Winkler haben einen Einblick gegeben, wie mit szenischem Rollenspiel zahlreiche Kompetenzen bei Kindern gefördert werden.
Den zwei verspielten Heilpägagoginnen macht die Arbeit mit Kindern sichtlich Spaß. Im Vol-Live-Lokalaugenschein erläuterten sie, was sich hinter dem Begriff „SpielLernRaum“ verbirgt.
Kinder lieben Rollenspiele
„In Rollenspielen leben Kinder ihre Wünsche und Fantasien aus oder erproben neue Verhaltensweisen, ohne die Gefahr der Bloßstellung, Bestrafung oder Ablehnung erleben zu müssen“, so Monika Schwärzler. Die Kinder seien durch ihre Rolle geschützt. Dies ermuntert sie zum experimentellen Selbstausdruck und fördert so die Erfahrung mit Handlungsmustern außerhalb ihres Alltags.
In Gruppen von 3 - 6 Kindern werden im „SpielLernRaum“ wöchentlich gemeinsam Geschichten erfunden und gespielt. Ob Tiersafaris, Forschungsreisen, Ritterabenteuer oder das Leben auf dem Bauernhof – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. „Ein wichtiger Punkt dabei ist, dass auch wir mitspielen“, erläutert Ruth Winkler. Dabei unterstützen sie die einzelnen Kinder aus ihrer jeweiligen Rolle heraus und begleiten oder verstärken die Gruppenprozesse.
Fantasievolle Verkleidungen
Mit bunten Stoffen und anderen Gegenständen bauen sich die Kinder zunächst die Welt, in der sich ihre Geschichte abspielt. Indem sie sich dann auch noch selbst mit Tüchern und Hüten verkleiden, wird der spielerische Zugang zu dieser Welt erleichtert. Die Verkleidungen sind nicht konkret. Dies öffnet einen großen Spielraum für die Fantasie und fördert die selbstbestimmte Rollengestaltung.
Spielerische Persönlichkeitsarbeit
Wesentliches Ziel von Schwärzler und Winkler ist die Stärkung der kindlichen Persönlichkeit. Die sozialen und psychosozialen Kompetenzen werden ausgebaut, indem die Kinder Sozialverhalten im inszenierten Spiel untereinander aushandeln. Das Erproben spontaner Impulse, das Erleben von Handlungskonsequenzen und Gemeinschaftsgefühlen oder die Erweiterung von Kontakt- und Kommunikationsfähigkeiten sind nur Beispiele aus einer umfangreichen Palette davon, was das szenische Rollenspiel dem Kind zu bieten hat. Wissenschaftlicher Hintergrund des Projekts ist die „Methode des Kinderpsychodramas“ von Alfons Aichinger und Walter Holl.
Kinderleichte Teilnahmebedingungen
Als einzige Voraussetzung für die Teilnahme am Spiel nennt Monika Schwärzler die Fähigkeit der Kinder, ein Rollenspiel zu spielen. Als Heilpägagogin und Mutter von fünf Kindern weiß sie, dass dies ungefähr ab dem vierten Lebensjahr gegeben ist. Neben dem Angebot, das Rollenspiel auch für einzelne Kinder oder Familien durchzuführen, bringen Schwärzler und Winkler die Lust am Spiel auch vermehrt in die Schulklassen. „Dies stärkt Klassengemeinschaften und bringt innovative Konfliktlösungsstrategien mit sich“, erklärt Ruth Winkler im Vol-Live-Interview.