Stillen und Übergewicht
Hallo liebe VOLmamas,
schaut mal - bin da über einen interessanten Artikel gestolpert... wenn man es sich immer aussuchen könnte... Hätte selber gerne gestillt - musste aber nach 4 Wochen leider auf Flasche umstellen.
Wie war das bei Euch - hat das Stillen (damals) bei Euch auf Anhieb geklappt???
Liebe Grüße & schönen Abend,
Gabi
München (pte/29.04.2009/13:45) - Baby-Fläschchennahrung kann zu
Übergewicht von Kleinkindern führen, da es mehr Proteine als Muttermilch
enthält. Das besagt eine Studie des EU-Forschungsprojekts EARNEST im
American Journal of Clinical Nutrition. "Dass Stillen vor späterem
Übergewicht schützt, war bisher bereits bekannt. Jetzt konnte gezeigt
werden, dass der niedrige Proteingehalt der Muttermilch dafür
verantwortlich ist", erklärt Studienleiter Berthold Koletzko vom Zentrum
für Gesundheitswissenschaften der Universität München
http://www.mc-health.uni-muenchen.de im pressetext-Interview.
Beobachtungen aus dem Tierreich führten auf diese Spur. "Kälber und
andere Tiere, die nach der Geburt schnell an Größe und Gewicht zunehmen,
trinken Milch mit hohem Eiweißgehalt", so der Ernährungswissenschaftler.
Die Forscher aus fünf Ländern versorgten Mütter von 1.000 Säuglingen
während des ersten Lebensjahres mit Fläschchennahrung, die nach dem
Zufallsprinzip entweder viel oder wenig Eiweiß enthielt. Als
Vergleichsgruppe beobachtete man die Entwicklung von 300 Kindern, die
voll gestillt wurden. Nach diesem Jahr waren Babys mit eiweißreicher
Nahrung schneller gewachsen. An ihrem zweiten Geburtstag wiesen zwar alle
Gruppen dieselbe Durchschnittsgröße auf, während jedoch die Waage
Unterschiede zeigte. Babys, die anfangs mit eiweißreicher
Fläschchennahrung gefüttert wurden, waren schwerer als die mit
eiweißarmer Nahrung. Letztere wiesen dasselbe geringere Gewicht auf wie
gestillte Kinder.
Ursache für das höhere Gewicht durch mehr Proteine liegt bei der höheren
Produktion von Aminosäuren, die bestimmte Hormone wie Insulin
stimulieren. Diese sind wiederum für Wachstum und Gewicht entscheidend.
Auch wenn hohes Gewicht im Babyalter harmlos ist, gilt es als
Risikofaktor für späteres Übergewicht. "Frühe Ernährung programmiert den
Stoffwechsel langfristig, wobei besonders die Nahrung im ersten
Lebensjahr und während der Schwangerschaft prägt", so Koletzko. Da auch
hohes Geburtsgewicht die Wahrscheinlichkeit für Übergewicht im weiteren
Lebensverlauf vergrößere, stelle auch eine schlecht eingestellte
Schwangerschaftsdiabetes ein Problem für das Gewicht des Kindes dar.
Diese Ergebnisse legen die Verwendung proteinarmer Fläschchennahrung bei
Säuglingen nahe. Das Gesetz sieht für Fläschchennahrung einen Gehalt von
1,8 bis 3,0 Gramm pro 100 Kilokalorien vor, Muttermilch enthält hingegen
laut Koletzko nur rund 1,8 Gramm. "Der Grund dafür ist die Angst der
Ernährungswissenschaft vor der Säuglings-Unterversorgung, die in früheren
Jahrzehnten auch berechtigt war. Man neigte dazu, Kindern lieber etwas
mehr zu verabreichen." Früher entsprach das Eiweiß der Babynahrung
gelegentlich auch Werten um 3,5 Gramm, wie etwa Kuhmilch aufweist.
"Kuhmilch wird in bildungsferneren Schichten manchmal noch immer als
Muttermilchersatz verwendet. Jedoch schon allein aufgrund des
Proteingehalts ist sie im ersten Lebensjahr nicht zu empfehlen."
Auch wenn die Forschung bemüht ist, Fläschchennahrung schrittweise zu
verbessern und an Inhaltsstoffe der Muttermilch anzugleichen, scheinen
deren Vorteile unerreichbar. "Die große Anzahl von über 1.000 Komponenten
in der Muttermilch ist geradezu phantastisch. Sie enthält unter anderem
Baustoffe und funktionelle Eiweiße, Antikörper, Hämoglobin und weiße
Blutzellen, sowie auch Botenstoffe wie Insulin und Hormone. Auch die
Fette sind anders angeordnet als in Kuhmilch." Die Wirkung vieler
Inhaltsstoffe sei jedoch bisher noch unbekannt, gibt Koletzko zu
bedenken.
Aufgrund dieser Vorteile empfiehlt es sich für Mütter, ihre Kinder nach
Möglichkeit während der ersten vier bis sechs Lebensmonate ausschließlich
zu stillen. "Der Infektionsschutz des Kindes reift in dieser Zeit erst.
Falls es notwendig ist, bietet jedoch Teilstillen mit Beikost einen
gewissen Schutz vor Durchfall und Infektionen", so Koletzko. Für die
Länge der Stillperiode gibt es keine Regel. "Zwar empfiehlt die WHO eine
Teilstillung bis zum zweiten Lebensjahr, doch hat dies keine
medizinischen Gründe. In erster Linie ist es eine Frage, was Mutter und
Kind wollen."
In Bayern werden derzeit ein Monat nach Entbindung 90 Prozent der
Säuglinge gestillt, nach einem halben Jahr beträgt der Anteil noch die
Hälfte, wobei sich zu diesem Zeitpunkt noch jedes fünfte Kind
ausschließlich von Muttermilch ernährt. "Der Trend geht in Mitteleuropa
hin zu mehr und längerem Stillen. Dazu beigetragen hat die Tatsache, dass
Stillen ein Teil der Normalität geworden ist und daher keine
intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Thema mehr nötig ist",
berichtet Koletzko. Der Ernährungsspezialist plädiert jedoch für einen
unverkrampften Diskussionsstil über die Thematik. "Früher wurde die
Stilldiskussion geradezu dogmatisch als Frage um Leben und Tod geführt.
Darum geht es beim Stillen jedoch nicht. Wenn eine Mutter aufgrund von
Arbeit, Krankheit oder Ernährungsproblemen nicht stillen kann, ist sie
deshalb keine schlechte Mutter." (Ende)
Quelle: pte; Redakteur: Johannes Pernsteiner (April 2009)